System – Ausbruch und seine Folgen

System-Ausbruch und seine Folgen

Der Mensch neigt dazu, das ihm vorgelebte ohne Rückfragen als Normalität anzunehmen. So fügen wir uns mehr oder weniger einfach in das vorhandene System ein. Doch so mancher stößt dabei an eine Grenze. Dort merkt man erst, dass das System gar nicht dem eigenen Talent, Herzensweg oder Wesen entspricht und man eigentlich viel mehr sein möchte. Doch wie geht man mit dieser Erkenntnis nun sinnvoll um?

Der folgende Beitrag ist von Ben Korbach und zeigt seinen inspirierenden Werdegang hin zum System-Ausbruch auf:

“Ich möchte nicht, dass sie eine gute Bewertung erhalten! Mir ist wichtig, dass Sie eine großartige Bewertung erhalten!“

Wow, sowas geht natürlich runter wie Öl und so grinse ich auch breit, als mein Chef mir mein Zwischenzeugnis überreicht.
Klar, ich wusste schon, dass ich gute Arbeit auf meiner Stelle in dieser großen Bank geleistet habe. Und doch habe ich nicht mit so viel Lob gerechnet, immerhin habe ich meinem Chef erst vor Kurzem erklärt, dass ich hier raus muss.

Und nicht nur deswegen waren die letzten Wochen von Unsicherheit und Zweifel geprägt. Der Hauptgrund war: Ich hatte genug von allem. Mein Leben langweilte und frustrierte mich. Und das Schlimmste: ich wusste gar nicht genau, warum eigentlich. Ich hatte doch alles: Einen guten Job ohne allzu viel Stress, Respekt von Chef und Kollegen, ein gutes Einkommen, viele Freunde und eine gesunde Familie. Andere mit diesem Leben hätten sich wahrscheinlich nur noch eine Freundin gewünscht und wären happy gewesen.  Doch ich war unglücklich und ich wusste nur eines: Es lag nicht (nur) an der fehlenden Freundin.

Also beschloss ich eines Tages, dem Ganzen auf den Grund zu gehen und mich für 6 Monate beurlauben zu lassen. Der Weg hin zu dieser Entscheidung war hart und von vielen Zweifeln geprägt, doch nun mit meinem Zwischenzeugnis in der Hand wurde es schon ein wenig realer. Ich stand gerade tatsächlich kurz davor, zum ersten mal ein wenig aus dem System auszubrechen.

Und System ist ein gutes Stichwort, denn ich habe bisher vorbildlich nach allen Regeln gespielt:
Abi, Ausbildung zum Bankkaufmann, Weiterbildung zum Betriebswirt, Wechsel ins Unternehmenskundengeschäft, nebenberufliches
Studium. So führte ein Schritt irgendwie immer zum logischen nächsten Schritt und ehe ich es richtig gemerkt habe, waren 9 Jahre vorbei.

Richtig gemerkt, dass hier etwas nicht stimmt, habe ich es erst, als ich mit meinem Studium in der Tasche nun wirklich loslegen und Karriere machen wollte. Meine schockierende Erkenntnis: Ich habe keine einzige Stelle gefunden, die mich anspricht. Nicht eine einzige! Diese  Erkenntnis hat mich in eine mittlere Krise gestürzt und mich teilweise gelähmt. Denn da waren diese zwei Stimmen in meinem Kopf:

● Die eine meinte unablässig, dass ich bereits so viel Arbeit in die Bank-Karriere gesteckt habe und jetzt, so kurz vor dem Ziel, doch nicht einfach aufgeben könne. Sie meinte auch, dass niemand seinen Job so richtig gerne macht und ich da halt einfach durch muss.

● Die andere Stimme hingegen meinte, dass es grob fahrlässig wäre, wenn ich einen Weg einschlagen würde, von dem ich schon jetzt wisse, dass er mich unglücklich macht. Sie meinte, dass das Leben viel zu kostbar ist und meine Möglichkeiten viel zu umfangreich sind, als dass ich einfach stupide einen Weg weiter verfolgen darf, nur weil ich ihn einmal eingeschlagen habe.

Diese Ratlosigkeit und Zerissenheit hat einige Wochen sehr viel Energie und Lebensfreude gekostet, bis ich endlich meinem Gefühl nachgegeben habe. Ich wusste, dass ich eine Entscheidung treffen musste und dieses Gefühl sagte mir, dass ich dazu raus muss. Weg von all den Aufgaben, Erwartungen und Rollen, die mein Leben bisher beherrschten. Um endlich einmal wieder frei denken zu können. Ich hoffte, auf diese Weise eine der großen Fragen für mich beantworten zu können:

Was will ich eigentlich? Also wirklich?

Und was soll ich sagen: Für sechs Monate durch die Welt zu reisen macht etwas mit einem. Vor allem, wenn man dies hauptsächlich alleine tut und offen für all die neuen Orte, Menschen, Kulturen und vor allem Lebenskonzepte ist, die man auf dem Weg kennenlernen darf.
Die wichtigste Veränderung die ich an mir bemerkt habe: Es setzt die Dinge wieder in die richtige Perspektive. So habe ich zum Beispiel gelernt, dass die deutsche Art zu leben mit all den Terminen, Ambitionen, Erwartungen und Karrieren nur eine Art zu leben ist. Und sie ist alles andere als perfekt, denn obwohl sie uns viel Wohlstand beschert hat, so ist sie gleichzeitig tückisch, denn durch sie werden die größten Lebensziele auf lächerliche Banalitäten reduziert. Alle rennen dem Feierabend, Wochenende, Urlaub und als ultimatives Ziel, der Rente hinterher.

Es war eine enorme Erleichterung für mich, als ich andere Menschen kennenlernte, die dieses Lebenskonzept eher belächelten und trotzdem nicht mittellos unter einer Brücke lebten. Dadurch habe ich gelernt, dass genau dies das Tückische an Systemen ist:

Wenn man lange genug die Annehmlichkeiten eines geregelten Systems genießt, passiert es irgendwann, dass man dieses System mit all seinen Regeln für die ultimative Wahrheit hält. Und dadurch macht man sich seine Welt ganz freiwillig viel kleiner, als sie in Wirklichkeit ist.

Genau aus diesem Grund sind regelmäßige System-Ausbrüche so wichtig. Sie erinnern uns wieder daran, wie wundervoll vielfältig die Welt eigentlich ist, dass wir uns durch die Erwartungen unserer Mitmenschen nicht einsperren lassen müssen und dass unsere persönlichen Möglichkeiten unbegrenzt sind.

Sobald wir uns an diese Tatsachen erinnern, passiert etwas Magisches: Plötzlich wird die eigene Lebenszeit zum Wertvollsten auf der ganzen Welt. Und solche Fragen wie ob man einen Weg einschlagen soll, auch wenn der einen unglücklich machen wird, stellen sich gar nicht erst, da die Antwort schon von vornherein glasklar ist.
Falls du wissen möchtest, was dieser System-Ausbruch langfristig bei mir bewirkt hat, schaue gerne einmal auf meinen Seiten vorbei. Ich will nicht zu viel verraten, aber Dinge wie Kündigung, Heirat und Auswanderung spielen eine Rolle. . .

Hier geht’s weiter zum Journey of Joy und Abenteuer Selbstbestimmtheit

 

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